Mittwoch, 18. Mai 2016

Gegen den Hagel, gegen den Wind....BIG 25 Berlin... cool wie wir sind.

Es ist erst zwei Jahre her, und schon eine gefühlte EWIGKEIT. 2014 lief ich erstmalig diesen coolen 25iger km Wettkampf in Berlin und wusste, da seinerzeit mit knapp 50 Lenzen an der 2:30iger Grenze vorbeigeschrammt, den willste noch mal 'loofen'. So also die Ausgangssituation von 2014

Diese 25 km-Lauf ist quasi der Ur-Lauf der Laufsportfreunde in Berlin und feierte in diesem Jahr seine 36. Auflage. Die Bedingungen in diesem Jahr waren schwierig, recht kühl, kurze Sonnige Abschnitte auf er ersten Hälfte, Dann mit kleinen Regen- und kurz Hagelschauern und die zweite Hälfte mit kräftigem Gegenwind. Doch der Reihe nach:


E.i.g.e.n.t.l.i.c.h hatte ich hier, 2016, keine guten Trainingsvoraussetzungen, denn als ich mich mit meinem Lauf Club 261 für diesen Run anmeldete wusste ich noch nicht, dass ich 5 Wochen vorher den Hannover Marathon laufe und dann erstmal länger regenerieren möchte. So habe ich mangels Vorbereitung, Training und fehlenden Intervallen beschlossen, einfach nur meine Geburtsstadt zu genießen und wie Forrest Gump zu laufen. 
Ich war mit mit mein BFF am Start, da aber unsere Lauftempi sehr differenzieren stehe ich einen Block vor ihr und habe andere Pläne als sie. Zumindest will ich meiner 2014er Zeit gern treu bleiben. 25 km aus dem Stand, einfach nur laufen. "Mal sehen ob das geht" dachte ich, da hinten im Starterfeld  leicht fröstelnd wartend (und über die letzten nur knappen 48 km in den letzten 5 Wochen nach meinem erfolgreichen Marathon zurückgelegten Laufkilometer und mehr Radelkilometer nachdenkend). 
Wenige Minuten nach dem Startschuss überquerte ich die Matte und los gings...
(Foto Juergen Engler)
Wie schon vor zwei Jahren im dichten Menschentross, mit den Halbmarathonies, den Staffel- und den 10 km Wettkampfläufern zusammen, so dass man einfach nur laufen kann und sollte. Ich wollte genießen und tat das auch entspannt. Es ging mit etwas latentem Rückenwind bergab und mein Kopf sendete schon Signale "Heb Dir bloß Körner auf für den Rückweg denn dann gehts bergauf!"

Nach etwa 5k bogen die 10K Runner ab und endlich lichtete sich das Feld. Freiraum zum laufen, yaeh. Dann entdeckte ich eine 2:30ig Pacerin, ein sympathischer junger Blondikurzhaarschopf, mit einer Horde (vorwiegend Männer) um sich herum. Ich lief auf die Gruppe auf und erkundigte mich ob sie für die 25 k pact. Die Pacer konnte man nämlich äußerlich nicht unterscheiden (nicht das ich am HM Pace hängen bleibe). Nach ihrem ja beschloss ich mich "mal ranzuhängen, mal sehen wie lange es geht, hab  ja gute Erfahrungen damit in Hannover gewonnen". Was nach meinem derzeitigen Trainingsstand und noch immer dann und wann sich meldenden Oberschenkelziepern ehrgeizig war. Doch hej, ich bin inzwischen wettkampferfahren und kenne meinen Körper, wüsste wann ich mich zurückfallen lassen müsste.

Auf die Siegessäule zulaufend finde ich immer wieder schön und aufregend, kommste doch sonst nur mit dem Auto dran vorbei.
Hier biegen auch die Halbmarathonies ab und wir hatten endlich Ruhe und freien Lauf.
Und jetzt tat sich auch endlich das Brandenburger Tor auf, dort war richtig rambazamba. Aber kein blauer Himmel mehr. 
Die coole Sambaband nebst Zuschauer davor und dahinter gaben mir einen ordentlichen Kick. Es ging jetzt - 11.00h - in heimatliche Gefilde, und so rannte ich im Benno Flottman Tempo (würde Udo Lindenberg sagen) fröhlich vor mich hin grinsend weiter. Die stille Pacerin zog mal an, mal ließ sie laufen und ich schaute meist nach dem km-Piep verblüfft auf meine Garmin Fenix3 und lief mit. Immer weiter, immer weiter.
An "The Corner" (Gendarmenmarkt) erinnere mich gern, da stand eine Mädchentruppe und hat mächtig eingeheizt, mit Laolawellen und Zurufen. Laut Facebook muss es sich um klassenreisende Girls gehandelt haben; die waren so cool und haben mich echt geflasht (Bild von Berlin läuft.de hierher kopiert)
So im Flow fing ich erstmalig bei km 12 (als wir rechts in die Friedrichstraße bogen) an zu rechnen. Ich war nun 1:08h in etwa unterwegs.Ob ich das Tempo wohl halten könnte? Hhmm. Und diese grauen Wolken da am Himmel, und es wurde immer kälter und windiger. Von vorn! Igitt. Neeeeeee! Und dann kam er, der fiese Regenschauer gespickt mit Hagelkörnern. Ich fror. Also beschloss bisschen schneller durch Potsdamer Platz rennen damit ich bald die schützenden Bäume vom Tiergarten erreiche. Und ich dachte an Udo, der hier wohnt, und übermorgen einen 70. Geburtstag auf Schalke feiern wird. Ich grinste und sang Plan B vor mir her. 
Nee, ich brauch heute auch keinen Plan B ich will's ! Die anderen wohl auch. Wir laufen jetzt etwa im 5:32iger Schnitt, zum 1. Mal spürte ich Zipperlein..." Vergiss es!" zischte ich meinen Buddy an. 
Zwischen km 14 und 15 passierte es dann, die Pacerin verliert mit einem lautem Krawumm ihre Flagge (mit einer Rucksack- und Stangenkonstruktion trug sie die auf ihrem Rücken). Vermutlich brach die Stange ab. "Ohhh neiiiin" hörte ich sie noch traurig rufen, dann war sie hinter mir zurückgeblieben. Oh nein, dachte ich, was soll ich jetzt machen? 
Erstmal Tempo halten, weiter laufen. Ganz ruhig weiter laufen! Ich wundere mich das meine Uhr inzwischen immer etwa 500 m früher den km anzeigt als die Schilder. Warum? Ich drehe mich um mit der Hoffnung das die Pacerin bald zurück ist. Da ich aber meinen 5:43iger Schnitt konsequent halte war alles im grünen Bereich, dachte ich. Puh, aber dieser Gegenwind. Der war selbst mir Hamburger Deern inzwischen zu heftig. Erstmalig hielt ich kurz inne am Wasserpoint, das sollte nämlich der vorletzte sein. und bald gehts "steigend aufwärts".... grrrr.
Nur noch durch den Kurfürstendamm, jetzt rechts in die Leibnitzstrasse und eine scharfe Linkskurve. Ohne Tempomacher quäle ich mich nun durch Wilmersdorf, Kantstraße, Neue Kantstraße, hoch zur Leibnitzbrücke. Boa das macht aua in den Waden und Oberschenkeln. Mein nicht-Lauftraining macht sich jetzt bemerkbar, ein Blick auf die Garmin, ich laufe den ersten km in 5:59iger Pace. Auweiaaaa. Diese blöde Brücke, dieser blöde Gegenwind, und keiner bietet sich hier als Windschatten an. Gemeinheit! Oben auf der Brücke halte ich das erste mal ganz kurz am letzten VP an, trinke hastig, um dann schnell die Beine in die Hand zu nehmen. Hätte ich doch bloß ein Gel dabei.... Ich muss mich zusammen reißen um mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren denn längst ist klar dass ich es jetzt unter 2:30h packen will. Noch liegen aber paar Höhenmeter (ich sehe den Messe Funkturm) und km vor mir. Ich hatte mich selbst vorneweg gewarnt. Nun zolle ich den Anstiegen - blöder Messedamm - und meinen Beinchen Tribut. Woher die Motivation nehmen? 

Auf meiner Uhr piepts bei km 21, mit 2:01:08h aber es ist noch kein 21iger km Schild zu sehen. Der 21er ist fast der Schlimmste km. Als ich endlich über die Halbmarathonkontrollmatte laufe zeigt meine Garmin fast 800m mehr an. Es nervt. Ich weiss nicht warum, nützt auch nix darüber nachzudenken. Will einfach nur "nach Hause" ins Olympiastadion. Plötzlich ruft mich Gerda von Twitterlauftreff. Cool, sie hat mich erkannt. Hihi wie lustig das Läuferleben manchmal ist. Sie läuft vor mir weg, und ich denk okay häng dich mal ran, kann nicht schaden,so kurz vorm Sieg (über mich). Dann sehe ich auch Heiko der mit Gerda Richtung Olympiastadion läuft, Sie warnt mich vor den letzten Anstiegen (danke, das hat mich frustriert) die da noch mal kommen. 

Also kneife ich die "Arschbacken" zusammen und ignoriere den Schmerz in den Waden und laufe neben den Beiden auf der gleichen Höhe Schritt für Schritt weiter. Immer schön zum olympischen Berg hinauf. 
Nun noch eine Runde um das Olympiastadion, plus diesen Anstieg. Ich muss jetzt wirklich kämpfen und ich weiss nicht genau wo ich zeitlich liege, da meine Garmin wie beschrieben einen km zuviel anzeigt. Ich weiß auch nicht wann ich nach dem Elitefeld über den Start bin, deswegen habe ich jetzt etwas Bammel auf dem letzten km zu "ver*acken" ... aber mein rechter Wadenmuskel macht komplett zu. Jetzt ist es nur noch Kampf und Kopfsache. Ich kämpfe und freue mich schon vor auf den Einlauf in die Katakomben des Stadions. Endlich endlich. Nach ein paar Extraschleifen geht's rein in den Schlund. Die Trommler heizen mir ein, die Lichteffekte sind gigantisch und meine Schrittlänge wird größer und größer. Ich will nur noch ins Ziel. Jaaaaaaaa.

Es ist unbeschreiblich 'rre' wenn du um die Ecke biegst und die blaue Tartanbahn siehst. Das Herz schlägt schnell. Ich muss mich beeilen, denke ich, kann aber nicht mehr. Und STOOOOOP, da war ja noch was. Alle die, die durch das - abweichend von der Ideallinie am Rand aufgestellte graue - Spendentor laufen spenden 5 EURO an die UNO Flüchtlingshilfe. Der Stadionsprecher erinnert gerade daran und ich sehe niemanden abbiegen, also Ehrensache. Ich tu es. 

(c) by http://www.startblog-f.de
Renne da durch und freue mich und bibbere zugleich. Nun starte ich alle Power die noch geht und laufe Richtung Finishertor. Vor Schreck schaue ich dort nicht auf die Uhr, nur auf meine, die 26,01 km anzeigt. Finish. Yaeh. 
 
Und in dem Moment, frisch im Ziel, hör ich das bisher 7.500 EURO für die Flüchtlingshilfe gespendet wurden. Darüber freue ich mich und bereue nicht dort durchgelaufen zu sein - auch wenn ich immer noch nicht weiß ob ich mein Ziel erreicht habe. Ich bin glücklich. einfach rufhappy.
Es gibt im unteren Innenraum nicht wie sonst die Bling Bling Medaillen was ich sehr schade finde (Finsherfotos ohne BlingBling um den Hals kauft doch auch keine/r) und so quäle ich mich mit all den anderen die endlos erscheinenden Treppenstufen des Stadions hinauf.... und schaue noch mal zurück. 
Gänsehautfeeling ist das schon. Nur die Waden mögen das gar nicht. 
Oben angekommen bekomme ich dann am Ausgang mein Bling Bling und nun beeilte ich mich meinen Kleiderbeutel abzuholen um mich warm anzuziehen. Es war nämlich wirklich frisch da oben auf dem Berg. Ich versuchte online heraus zu finden wie meine Zeit nun ist doch vergeblich. 
Sie war nicht zu finden. 
Meine Garmin Fenix 3 Messung. Und ja, natürlich habe ich sie wirklich erst auf der Startmatte angeschalten.
Um herauszufinden ob oder ob nicht hat meine Beste den genialen Einfall bei der Medalliengravur nachzufragen... 
Sie ist ja so kreativ. Danke, Süße! 
Und hier nun:Tadaaaaaaaa, ich habe es gerockt. Mit einem Durchschnittspace von 5:43min/km bin ich mehr als zufrieden und happy, denn beim Aufstehen am Morgen war an dieses Ergebnis noch lange nicht zu denken.


Viele Grüße von 261 fearless Ambassador und Clubcoach Birki - im Laufhimmel - 


PS der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen das punkt 12.00I Uhr wieder eine Glocke- diesmal vermutlich die einer Kirche in Wilmersdorf Umfeld Kantstraße- 12 Mal schlug und mich an meine ominöse Rathaus-12-Uhr-Schläge seit dem Berlinmarathon  erinnert(e). Hach, wie mir jedes mal das Herz überblubbert dabei. Einfach zu schön. 









Kommentare:

  1. Schöner mitreißender Bericht von dir. Gute Erholung und klasse Leistung quasi ohne Training!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Mietze.
      Ja, quasi ohne Training, ich bin wirklich nicht sehr viel gelaufen, weitaus mehr geradelt.
      Aber das hält ja mindestens Grundausdauer und Fitnesslevel.
      Das kam mir zu Gute. Und ich freu mich wirklich.
      VG, BIRKI

      Löschen
  2. Ach ja, der 21. Kilometer - den fand ich auch sehr fies. Habe mich bei der Halbmarathon-Zwischenzeit auch gefragt, wie man nur auf einem Kilometer eine halbe Minute verlieren kann. Hatte zudem den Eindruck, dass die 25er ein paar Extrameter laufen mussten, weil wir immer um die Halbmarathonis herumkurvten mussten. Spaßig war's natürlich trotzdem!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Anstieg ist halt kraftraubend, so am Ende, wenn frau (fast) keine Körner mehr hat.
      Btw: ich habe bisher niemanden gefunden der nur 25 km gelaufen ist, vielleicht stimmt etwas mit der Vermessung der Strecke nicht?!?
      VG und Herzlichen Glückwunsch auch Dir, Saffti.

      Löschen
  3. Glückwunsch zu der tollen Zeit und dem klasse Erlebnis in Berlin!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Markus, und Dir auch noch nachträglich zum Trollinger Marathon (auch unterminiert, räuspert räuspert...).

      Löschen