Freitag, 20. November 2015

Ich bin ein Berliner! ♡ BerlinMarathoni ♡ BERLINMARATHON II ♡


Um es vorweg zu nehmen: Es hat lange gedauert. Ich wusste wirklich nicht wie ich meine Feelings in Worte verpacken soll. Selbst wenn ich heute an diesen Septembertag denke, fühle ich mich zurück katapultiert in den Runner' s High.

Doch der Reihe nach (nehmt Euch einen Kaffee und setzt Euch gemütlich hin) 

Vor dem großen Tag entschied ich mich  bereits am Freitag in die Hauptstadt zu reisen, um Samstag nicht wieder so einen Stress wie beim Berlin Halben aufgesessen zu sein. 


Auf der Autobahn war es voll und ich groovte mich aufs Schneckentempo ein. Ein Omen? Hmmmm. Nun, hätte ich nicht meine geliebte Yogamatte, die Blackroll, diverse Laufsachen und -Schuhe dabei wäre ich bestimmt mal mit der Bahn gefahren.


Aber sei es drum, ich musste gaaaanz ruhig bleiben, trotz der Power in mir, um mich nicht unnötig zu stressen. Das wollte ich vermeiden, war ich doch schon aufgeregt genug.

So kam ich mit extremer Verspätung in meinem Hotel, und mit noch mehr Verspätung zur Berlin Vital Expo am Flughafen Tempelhof an.

Ich war dort mit lieben Menschen verabredet, gefühlt war an diesem Wochenende ja mein ganzes, mir ans Herz gewachsene, Running-Netzwerk in der Stadt. Wirklich schön.

Das wichtigste vor allem war aber, is klar, meine Startunterlagen abzuholen, was hier wie in New York jeder Läufer persönlich machen muss. Vollmachten werden nicht akzeptiert. Ich finde das gut so. Es gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.


Dieses ewige KommerzGETUE vor Marathons kann mich nicht mehr beeindrucken, so dass ich dies schnurstracks zuerst und auf direktem Wege erledigte.
Ein kleiner Bummel (!) war natürlich trotzdem drin - man kommt ohnehin nicht drumherum durch die Messestände den Rückweg anzutreten.
Am meisten freute ich mich auf mein "Date" mit Herbert. Ihr könnt' ja sagen was ihr wollt, für mich ist Herby deeer MARATHON -"Guru" schlechthin. Ich mag seinen Humor und seine direkte Art. Da ticken wir ganz ähnlich. Na, jedenfalls hatte ich eine Menge Spaß mit ihm. Und bei Andrea konnte ich mich auch davon überzeugen, unsere Hamburger Frontrunnerin war bei Asics arg busy...

Wirklich eher zufällig traf ich am Brooksrunning Stand auf den Twitterlauftreff.  Alle bekloppt sag ich nur grinsend ...[ich musste durfte mit auf das obligatorische Foto, während ich genüsslich meinem alkoholfreien Milchshake schlürfte. Schaut gut aus. Ach sie sind ja alle so lieb].

Man[N] 'neidete' mir, winke zu Sascha meine neuen, soeben erstandenen "Schuhchen", die limitierten Berlin Ghost8. Die mussten bei mir Berliner Jöre einfach mit. Gingen 'weg wie warme Semmeln' (wie der Berliner sagt). Frauen und Schuhe sag ick nur...
ich gönnte sie mir als Motivationshilfe & Belohnung schon vorab.Ich will sie im Alltag tragen, bin ja eh' mehr der Sneakertyp. Und für 'ne jeborne Bärlinerin liegt es doch nahe...und jetzt konnte ja eigentlich nix mehr schief gehen...
Ich traf dann noch meine Laufkollegin, die Club 261 Austria Chefin - RunningZuschi
und anschließend ging's dann endlich essen - mit meiner Besten. Wir aßen einen nicht sehr gut gelungenen Burger bei Maredo am Potsdamer Platz. [Bitte vergesst diesen Laden!!! Ich hatte vorher noch nie bei einem Maredo gegessen und das werd' ich auch im Leben nicht mehr. Ich gebe hier niemanden die Schuld, nur mir selbst. Ich wusste es doch, Irgendwie...]
Auf dem nächtlichen Weg zum Hotel wurden wir daran erinnert warum wir hier sind. Ähm, ja. Das erste Herzlochern stellt sich ein. Wie wunderbar.
Endlich dann, irgendwann nach Mitternacht, fiel ich total übermüdet und völlig k.o. ins Bett. Die Nacht war leider alles andere als entspannt und erholsam, Großstadtlärm lässt grüßen.


So gönnte ich mir Samstag dann, einen schönen stressfreien Tag, ein wenig Sightseeing muss[te] aber sein. Mit meiner Besten. Und so war'n wir auf 'pre' marathon's Spuren.
Abends dann hieß es Carboloading - via Pizzadienst im Hotelbett - dazu genossen wir einen Traumsonnenuntergang und ein Gläschen Rotwein über den Dächern von Berlin. Ja, da rät der Herberts gar zu, und was der Herbert echt...Okay, dann noch fix die Vorbereitungen für morgen treffen und so fiel ich dann, wieder erst um/bei 24.00, müde und aufgeregt ins Bett.
 
Ich war mir sicher kaum schlafen zu können. So war es dann auch diese Nacht. Immer das selbe.
***
R A C E  D A Y
Sonntag, mein iPhone 'weckt' mich um 05:30h, ich fühl mich wie erschlagen, halte kurz inne und fokussiere mich auf das was vor mir liegt, der Weg wird mein Ziel. Dann, kurz vor 06.00h mit einem Blick auf's Wetter...brrrrr...raus aus dem Bett. Ne, nicht wirklich meine Zeit. 
Ich frühstücke ganz normal, dazu etwas Obst (für die Verstoffwechslung; bitte im Hotel, bloß nicht aufs Dixie, denke ich). Mit einer noch nie dagewesene Seelenruhe erledige ich die Dinge die zu tun sind. The same procedere...(tapen; warmes in den Kleiderbeutel packen, Getränk für 20 min vor dem Start mixen usw.). Dies alles mit einem kribbelnden Gefühl, dass der für mich besonders geschichtsträchtige Kurs bereits auf mich wartet. Ich habe ein gutes Gefühl. Es wird ein großes Freudenereignis. Es kribbelt bei den Gedanken an so schönen Heimat-Sehenswürdigkeiten vorbei zu laufen und vor allem wenn ich - gerade nach 25 Jahren Mauerfall - an meinen Zieleinlauf durch das Brandenburger Tor denke. Ich werde das alles genießen!  Dies wird der Lohn für meine Arbeit, denke ich still und mache mich fröstelnd um 07.40h auf dem Weg zum Tiergarten.
Dort beherrscht zunächst etwas Chaos die Oberhand. Ich hasse das und schaffe doch ein Lächeln. Wir Frauen werden hin und hergejagd bzgl. Kleiderbeutelabgabe, ich verliere meine Beste, heule fast weil ich Angst habe sie vor dem Start nicht mehr zu sehen, treffe sie dann zum Glück doch noch kurz wieder. Wieso müssen Kleiderbeutel in Berlin getrennt nach Weiblein und Männlein abgegeben werden? Was'n Sch***

Dann 1,5h später, endlich im richtigen Startblock angekommen, stehe ich da, emotional ergriffen und friere ich habe zu früh meine Jacke ausgezogen und weggeschmissen. Kurz denke ich an New York zurück - 10 Monate ist's erst her -, dann an den schmerzhaften Hamburg Marathon vor fünfen. Da stehst Du mit deinem jetzt schon erhöhten Puls und denkst: Mal sehen was dich heute erwartet, denn diese 42,195k haben immer ihre eigenen Gesetze. Das ist "...wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt."
Selten läuft es so wie du planst oder denkst. Ja, auch dieses Mal lief meine Vorbereitung suboptimal. Ich hatte seit dem HASPA MARATHON muskuläre Probleme (neben dem Faserriss ärgerte mich bis zum heutigen Tag der Piriformis rechts) später kamen wieder die Schmerzen im linken Kniebereich dazu. Zwischen Energieschüben und purer Verzweiflung war alles dabei. Dann erwischte mich nach dem Wörthersee Halbmarathon noch eine Erkältung und drei lange Läufe konnten Sonntags nicht gelaufen werden.Alles also eher suboptimal. Ich kämpfte und WILL es hier so sehr.
Nun steh' ich (also, zum Glück) hier und möchte Versöhnung. Nichts lieber möchte ich, als dies, in meiner Stadt. "Hier bin ich jeborn...laufe durch die Straßen..."..lalalaaaa, na ihr kennt das ja. Ich vertraue meiner gut trainierten Grundausdauer und stehe, mit kribbeln und purer Vorfreude in meinem Block, fühle mich mental super, bin voller Power. Irgendwie bin ich JETZT ganz ohne Zweifel. "What for a Day" denke ich. Das wird ein guter, nein, MEIN bester Tag. Ich habe mir vorgenommen mich bejubeln zu lassen, die Party mitzufeiern. 
J A W O L L. Das wird der Lohn für all mein Mühen und Bangen.
Dann fällt der Startschuss für die Elite...



Ich nehme die Gänseschauer, die meinen ganzen Körper vereinnahmen, bewusst wahr. Es soll noch einige Zeit vergehen bis ich endlich über die Startlinie laufe, eine rastlose Zeit des Wartens und sich zentrieren. Schritt für Schritt bewege ich mich mit der Masse...und endlich darf ich dann auch raus, auf die Straßen von Berlin. Mein heutiger Weg wird der Schönste sein, das schönste Ziel das es gibt. Ich spüre es sofort.
Ich teile mir diesen Marathon in zu erlaufende Etappen ein, so meine Strategie.
Photocredit H.v. Bohlen
Die erste vergeht wie im Flug, ich lass' mich feiern, laufe zwischen km 8 bis 10 durch mein altes Revier (ein Gänseschauer jagt hier den nächsten),
fotografiere hier und da, erinnere mich an vieles und laufe stets hochkonzentriert. Immer wieder MUSS ich Tempo rausnehmen, die Beine wollen schneller als ich erlaube. Ich will nichts riskieren, mein Ziel ist ohne Schmerzen laufend jeden km genießen. Jeden Meter! Lauffreude pur will ich. Gut das ich mit meiner Garmin laufe und die Rundenzeiten kontrolliere. Immer wieder muss ich bremsen. Ich laufe wie eine Gazelle, alles läuft wie geschmiert.Ihr könnt Euch nicht vorstellen was das für feelings sind. Jetzt genau spüre ich warum ich das Laufen so sehr liebe.
Photocredit H.v. Bohlen
Und schon beginnt meine zweiten Etappe;  Wunsch an meinen Marathonbuddha: Bitte  genauso leicht und genüsslich wie die Erste! Dann muss ich kurz anhalten, mich am Rand hinhocken und meinen Schuh komplett ausfädeln und neu binden (wegen der Großzehen und dem zu festen Sitz am Außenknöchel, aber auch das -Anfängerfehler, grrrrmpfff stört mich nicht. Ich habe mich erst 24h vorher für diesen Schuh umentschieden - Irgendwie aus Glaubensgründen...mit diesem Mizuno lief ich schon New York und Hamburg. Das kommt davon! 
Ich laufe jetzt im alten Westteil der Stadt und genieße am Kottbuser Tor die türkische Musik und das "pushen" der Zuschauer dort. Zwischendurch trinke ich an jedem VP wenige Schlucke Wasser. Bei km 18 habe ich mir ein erstes Hydrogel 'gegönnt'. 
Jetzt bin ich in Kreuzberg, neue Szene in Berlin [Prenzlauer Berg ist out, Dank der Yuppies und Muttis.]. Bald treffe ich auf Freunde, die Ecke Mehringdamm stehen. Halte die ganze Zeit Ausschau nach ihnen. Plötzlich höre ich meine Namen rufen, uuuups, vorbei. Ich dachte neeeee, du kannst jetzt nicht einfach so weiter laufen, dreh um und renne gegen meine "Laufkollegen" die etwas verdutzt gucken. Eine Umarmung muss sein und tut soooo gut.
...und da hockt so ne KLEENE (fremde) JÖRE von geschätzten 6 Jahren neben meinen Freunden und ruft mir zu "BIRKI WEITER SO!" Hach, da gehts Herz uff, ich sags Euch. 
Das bin ich also, so ganz kurz vorm Zwanziger. Danke, Martin, für das tolle Foto 
(du bist auch mit drauf *hihi*). 
Wenn du Freunde triffst gibt dir das mächtige Power. Ich flitze so, Gedankenversunken, durch mein Berlin und piiiiiiep. WoW, schon Halbmarathonmatte. Heute liebe ich diese Piep "Musik" in meinen Ohren, schaue auf die Uhr. Ich erwische mich das 1.Mal beim hoch rechnen. Mein Herz klopft.. ich lasse nicht zu was das Denker-Birki-Köpfchen überlegt. Ich erinnere mich an Hamburg und meine weise Erkenntnis, dass ein Marathon erst bei km 30 beginnt. Also bremse ich mich wieder, fokussiere auf mein Hauptziel und freue mich auf Berlin-Schöneberg. Hier wird es nämlich sehr geschichtsträchtig. 
***
Was dann passiert ist so unglaublich, dass ich mich immer noch kneifen muss und jedes Mal wieder Gänsehaut bekomme. MIR, Berliner Göre passiert das?! Ich laufe in der Fritz-Elsas-Straße, vor mir rechts sehe ich das Rathaus Schöneberg. Ich denke an John F. Kennedy und an seine berühmten vier Worte. Plötzlich schlägt die Rathausuhr Punkt 12. Mir gehts durch Mark und Bein, ich schaue auf meine Uhr und wills kaum glauben. Fast bilde ich mir ein die Freiheitsglocke schlägt für mich. Ich starre die Zuschauer an, auf meine Uhr, aufs Rathaus... und verdrücke Tränchen der Rührung, weil genau ICH das jetzt HIER erleben darf. Mit seinen Worten brachte John F. Kennedy den Berlinern der damals geteilten Stadt Mut und Zuversicht entgegen. Sein Bekenntnis war der Garant für die Freiheit der eingeschlossenen Stadt. Er hatte Recht behalten: Ich bin der Beweis, ICH, Berliner Jöre, hinter der Mauer von diesem Ort aus gesehen jeborn, fühlte mich noch niemals freier als hier und heute, bei diesem Marathonlauf. Schnell ein Foto! Ich rufe laut: Ich bin ein Berliner, Yaeh. Das Adrenalin muss raus. Die Zuschauer lachen und  freuen sich mit mir. Könnt Ihr erahnen wie mich die Gefühle übermannten?
Ich weiß, das war das Zeichen meines Marathonbuddhas. Bin völlig gerührt, und finde zum Glück irgendwann meinen Rhythmus wieder, auch Dank der genialen SAMBA-Band die mir ordentlich einheizt. Das war auch so ein klasse Moment der sich im Gedächtnis einbrennt. Der Chef nahm mir mein iPhone ab und knipste mich. Dankeschön, das war toll.
Und so laufe ich voller Power und Serotonine weiter und freue mich auf die Party am wilden Eber vor. Es ist sooo schön, Fixpunkte zu haben. Bin kurz vor Schmargendorf, durchlaufe die Lentzallee, hier ist die Power Bar Gel Zone (km 27,5), die ich für mich ignoriere. Es amüsiert mich, wie es hier ausschaut und unter jedem Schritt klebt und quietscht, bbbrrrr, voll eklig. Zeit für ein Runfie. Ich glaube ich bin im Runnershigh.
De Powerbargele werden ohne Getränke verteilt und konsumiert, na wenn das mal nicht - buchstäblich- in die Hosen geht. Manche neben mir sehen echt nicht mehr ganz so frisch und fröhlich wie ich aus. 
Hahahaaaa. Heute ist mein Tag Leute. Ich bemerke, dass ich gerade mein nächstes Etappenziel erreicht habe. WoW, wenns läuft, dann läuft's. Nun also "nur" noch eine - ich  lasse mich am wilden Eber feiern und hochleben wie es sich gehört für eine Marathon-Woman, auf dem Weg zu ihrem Triple Erfolg.
WoW, das pusht! Ich laufe und laufe und grinse und grinse. Jeder Schritt ein Hochgenuss. Kanns kaum glauben und kontrolliere immer noch bewusst mein Tempo. Ich will Körner aufgespart wissen.Weil ich diesem Mann mit dem Hammer NICHT begegnen werde/will. Und schon laufe ich die lange Gerade des Hohenzollerndamms, hier ist nicht ganz so viel los. Jetzt ist's Zeit für mein 2. Hydrogel. Gedanklich bin ich schon bei meiner Familie die kurz vor'm 39k Point auf mich wartet. Dort hoffe ich auf meinen letzten Push - und einen Schluck Coke. Hab ja meene Atze rechtzeitig genug drum gebeten (hier zu lesen). Ich freue mich wirklich wie ein kleines Kind auf sie alle. 
Aaah, Wilmersdorf. Um mich herum erste "Spaziergänger". Ich laufe und genieße. Hach, herrlich, ich singe in Gedanken ..."komm Welt lass Dich umarmen welch ein Tag" und frage mich von wem diese "Schmonzette" eigentlich ist. Auf was für Gedanken ich beim laufen so komme. Km 33, ich bremse meine Füße wieder mal ein bisschen, noch ist nicht aller Tage Abend. Jetzt biege ich in den Kurfürstendamm. Hier kennt sich Birki aus. Hui, recht schattig und frisch ist es hier. Ich laufe jetzt gut 3,5h und sehe eine Frau im neongrünen Team for Kids Shirt vor mir laufen und denke wie witzig das sie ihre KT Tapes in der gleichen Farbe an ihren Unterschenkeln hat. Ich überhole sie. Plötzlich höre ich meinen Namen rufen. Birkiiii?  Ich drehe mich um und kann kaum glauben unter den knapp 40.000 Läufern hier und jetzt auf Miriam (aus der Schweiz) zu treffen. Ich habe sie im Sommer 2014 auf Instagram im Rahmen unserer gemeinsamen New York Marathon Vorbereitung kennen gelernt. Tja, die Welt ist ein Dorf, vor allem die Marathoniewelt. Wir plaudern, dann ziehe ich weiter. 
Beim 35iger km passiere ich die Gedächtniskirche und merke die Beine wollen schneller. Okay, ich lass sie jetzt laufen. Es ist wohl dieser "Stallgeruch" und das Wissen um meine Family und dieser Schluck Coke den ich jetzt schon gern hätte. Ich grinse. Und laufe. Ich kann einfach nur grinsen (und Euch hier nicht beschreiben wie ich mich dabei fühle). Dieses Bild zeigt es Euch vielleicht, ich bin bei km 38. 
Jetzt tasten meine Augen die Zuschauerspaliere ab, ich habe Angst meinen Bruder nebst Frau und Nichte zu verpassen. Ich staune über meine Beine die immer schneller laufen und bin einfach nur mega happy. KM 39, jetzt müssen sie bald zu sehen sein, und da plötzlich, ein Gejubel, ein Geschrei, die Freude ist beiderseitig riesengroß. Neben mir nur noch müdes Lächeln, aber ich, ich geh ab wie eine Rakete. Erst mal alle drücken und knutschen, ich rufe ich bin auf Bestzeitkurs, und registriere dann erst die oberaffengeilen Schilder die jeder(!) in seiner Hand hält. Alles für mich gebastelt. Oh man das Herz wummert vor Glück und Freude. Diese Familie ist meine! TOLL. Sie lieben mich, wie sich das anfühlt, in diesem Moment. Großartiger geht es nicht. 
Plötzlich bekommt Atze Panik das ich hier zuviel Zeit verplempere. Aber neeee, diese (!) Zeit nehme ich mir. Ich bin emotional überwältigt, bekomme meine 0,5 l Cokeflasche gereicht und renne wieder los. Aaaah, Cola befügelt, sagte Herby mal. Stimmt, man darf sie nur nicht zu früh nehmen. Ich laufe und nehme ein paar Schluck, reiche dann die Flasche an Mitläufer weiter. Registriere ein dankbares Gesicht (ein Runner aus Dänemark) und zünde den Turbo. Das hier ist mein Ding. Jetzt. Ich will es zu Ende  genießen. Für mich allein, ganz und gar. Kenne jeden Straßenwinkel und wundere mich über den Kurs, Leipziger Strasse, links rein Jerusalemer Straße (huch, das ist jetzt aber fies ich dachte es geht direkt gerade aus auf die Unter den Linden?), Nee, stattdessen wieder links Mohrenstraße und boa ej, noch kein Brandenburger Tor in Sicht. Schneller, ich werde noch schneller. Ich will das Tor sehen! Jetzt! 
Die Coke zeigt Wirkung, ich bin total aus dem Häuschen und es ist mir eine Wonne wie ich jetzt Mitläufer einsammle und hinter mir lasse. Sorry Leute, dit is meene Stadt! Yaeh. Rechts rum, geradeaus, links rum, rein in die Französische. Nu muss es aber bald zu sehen sein. Nee, wieder rechts, Ginkastraße. Gleich, Gleich, Gleich. Links rum: 
Linden. Nichts als Linden. Und Menschen, dicht an dicht. Geschrei, Gejubel Was für eine Party. Aber wo is es denn? Gleich, Gleich. Gleich. Ich zücke schon mal mein iPhone,und plötzlich... Da Da Daaaaaaa. Die Beine werden noch schneller und plötzlich schreit die ganze Familie meinen Namen. Ich denk ich werde bekloppt. Wo kommen die denn plötzlich wieder her? Ich renne noch mal auf sie zu. Muss sein. Schaut her wie happy Birki Marathoni ist.
Nu aber.... meine Aufmerksamkeit ist jetzt ganz beim Brandenburger Tor. Oh Gott ist das GEILOMAT. Ein Runfie muss (!) jetzt einfach sein. Ich bin schon mehr als glücklich. 
 
D a n n  drehe ich mich um und laufe durch dieses Tor, vor dem ich oft ratlos als Kind und Jugendliche stand. Kann nur noch fett grinsen, und stolz wie Bolle ins Ziel laufen. 
Oh man, oh Man, was für ein wundervoller Marathon das doch ist. 

Ich fühle das ich heute ein zweites Mal in Berlin geboren bin. Denke an Buranis Textzeile wer friert mir diesen Moment ein, besser kann es nicht sein...."
Danke mir selbst und meinem Lauf Buddha für diesen Genuss. Dafür das ich das erleben darf. 
Natürlich kullern jetzt Tränchen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für eine tiefe Dankbarkeit ich empfinde gesund genug zu sein um diesen tollen Marathon laufen zu dürfen. Nicht jedem ist das gegönnt. 

Ich f i n i s h e , bekomme meine Medaille und bin verzückt. Persönlicher Rekord. Ohne Volldampf. mit alle diesen Pausen und Fotostops. Haha.... ein Genussmarathon. (nein, nicht dran denken was drin wäre wenn... darum gehts hier heute nicht)  
Ich kann einfach nicht glauben das es so schön sein kann. Und denke "Komm Welt lass Dich umarmen, welch ein Taaaaag!!!" Hier mein erstes Foto.
Meine - diese besondere - Berliner Medaille widme ich meiner Mama Karin, die leider nur 36 Jahre alt werden durfte und - dessen bin ich sicher - mir heute sehr stolz zugeschaut und zugejubelt hat. Ich bin überwältigt.
Dann bringt mich wieder "jemand" zum lachen, so soll es sein.
Ich gehe zur Wiese. Und heule schon wieder ....vor Glück. 


Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Birki läuft.

(nach Emil Zatopek)

Für die Statistiken:
Ich laufe die letzten 7 km negativ Splits. Hammer. 

Für die Herzen
Meine allerbeste und ich, wir teilen Momente...
materielle Dinge, die man sich einfach kaufen kann machen nie so happy !

PS Ich danke jedem von Euch der/die bis zum Schluss gelesen hat. 
Ich konnte nichts weglassen. Sorry. 


Kommentare:

  1. Danke für das mitnehmen auf die Reise und diesen wundervollen Lauf. Hast du ganz toll gemacht. Und auch bei mir kam noch das ein oder andere mal eine Gänsehaut dazu! Und das ohne Berliner zu sein :)

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  2. Hehe, das mit dem Rotwein habe ich bei Steffny auch gelesen. Kannte ich bisher nur aus einem Buch von einem Ultraläufer, der sich vorher im Hotel immer ein oder zwei Gläser genehmigt hat.
    Dein Bericht macht in der Tat Lust auf den Berlin Marathon. Dienstag ist es ja soweit - dann erfahre ich, ob ich 2016 einen Termin in der Hauptstadt habe. Bist du auch im Lostopf? :)

    LG Martin

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    1. hi Martin, das mit dem Rotwein praktiziere ich jetzt schon das ganze letzte Jahr mit gutem Erfolg wie ich feststellen konnte ...
      Ich drücke dir die Daumen für Berlin denn ich finde jeder muss diesen Marathon einmal gelaufen sein. Damit ist auch deine Frage fast beantwortet: Da es einmalig wunderschöner Lauf war, möchte ich mir mit einem zweiten Start
      diese Erinnerungen nicht kaputt machen und versuche jede Stadt nur einmal zu laufen. Lediglich Hamburg bräuchte noch mal eine Berichtigung meiner Erinnerungen.
      Herzlichst Birki

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  3. Herzlichen Glückwunsch Birki!
    Das hast du wunderbar beschrieben, ich hatte glattweg ein paar Tränchen in den Augen, man konnte deine Freude total nachempfinden.

    Liebste Grüße von Einer, die sich selber nicht traut, aber dafür mit Begeisterung die Sportler anfeuert.

    Ulirike

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    1. Danke, Ulrike, es freut mich sehr dass dich mein Bericht fesseln konnte und ich dich emotional damit erreicht habe.
      LG Birki

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  4. Wow!!! Was für ein Post!!
    Ich glaube Berlin wird auch etwas ganz besonderes, man kennt einfach jede Straße durch die man läuft!
    Beim HM in HH hatte ich zeitweise immer Angst ich könnte mich verlaufen!!😉
    LG Martina

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