Montag, 21. September 2015

Bekenntnisse einer Berlinerin


Einer geht noch, dachte ich mir nach meinem Marathondebüt in New York im November 2014, als ich tatsächlich realisierte, dass die Losfee mir den Weg zum dritten Marathon ein Jahr zu früh öffnete: 
MIST! dachte ich am 18. Oktober 2014, als ich noch vor meinem ersten gelaufenen Marathon erfuhr, dass ich (Zitat) "am 27. September 2015 gemeinsam mit 40.000 anderen Startern die 42,195 km durch Berlin laufen möchte". Das war doch erst für 2016 geplant, hatte ich doch gar keine Ahnung ob ich überhaupt EINEN laufen kann. Geschweige denn NOCH EINEN WILL oder MÖCHTE.
Nun, da war ich im Nachhinein doch froh, dass vor dem Hamburg Marathon die Weichen für Berlin 2015 gestellt wurden. Danach hätte ich mich sicher nicht angemeldet. Aber der Startplatz war bezahlt und die Losfee mir ein Jahr zu früh hold und ich mag ja auch irgendwie diese Herausforderungen und hasse Aufschieberitis
Trotzdem mich der schmerzhafte Marathon in Hamburg sehr erdete, bin ich der Überzeugung, dass ich als normal trainierte und halbwegs gesunde Ü-Fuffzigerin ohne Ambitionen auf einen Podest-Platz (hahahaaa, Humor muss sein) 42,195 km in Berlin laufen kann. Und innerhalb der 6:15 Stunden Zeitlimit sollte mir das doch eigentlich möglich sein. Eigentlich.

Also habe ich dann Ende Juli mit dem nötigen Respekt vor meinem alternden Körper angefangen dem Herby mal wieder hörig zu sein, mit allen Konsequenzen und Entbehrungen, so gut wie das mit mit all den Steinen Brocken im Weg und meinen Verletzungspausen möglich war. 


Ich habe überlegt ob ich Euch überhaupt verraten sollte, dass ich trotz aller Trainingswidrigkeiten gewillt bin am Sonntag meinen dritten Marathon zu laufen und zu finishen. Nun ich tu' es, damit ihr meine Irrungen und Wirrungen der letzten Monate besser versteht...

Also warum fahre ich nach Berlin und will dort einfach nur laufen?
  1. Ich bin 'ne jebürtige Berlinerin und neben New York war es mein zweitgrößter Wunsch in der geschichtsträchtigen Geburtsstadt diesen Marathon zu laufen. Es ist dieses Heimatgefühl und der unbändige Wunsch mich in meiner Stadt feiern zu lassen, was ich noch 1989 nicht für möglich gehalten hätte.
  2. Seine Geburtsstunde hatte der Berliner Volks-Laufsport in dem Jahr, in dem ich geboren wurde. Das ist ein Zeichen. 
  3. 2015 trifft sich die Welt-Laufelite in Berlin, das Wetter könnte perfekt werden und ich will gern dabei sein, wenn der 2014er Weltrekord von 2:02:57 Stunden (vom Kenianer Dennis Kipruto) evtl. schon geknackt wird, lange bevor ich Schneckchen die Halbmarathonmarke erreicht habe (ich starte aus dem letzten Block).
  4. Ich bin und bleibe eine kleine "Kampfsau" und brauche vermutlich den Kick; wohlwissentlich wieder nicht genügend lange Läufe, Intervalle, Stabis und und und getan zu haben (meine Clubladies überlesen das bitte bitte ;-)) . Ich lerne es vermutlich nie. Das Gute ist; ich habe dann wieder genug Stoff und Zeit zum fluchen auf den Straßen von Berlin. Und ich finde mich sicher in bester Gesellschaft. Von einer (jüngeren) Dame weiß ich es zumindest sehr sicher. Grins, zu zweit flucht es sich besser. Hahahaa.
  5. Natürlich ist am Sonntag mein Ziel wieder einmal über den gemeinen Schweinehund zu siegen. Ein fieser Bursche ist das und ein guter Freund vom Mann mit dem Hammer.
  6. Herbert sagte in New York zu mir: "Entweder heulste oder Du machst Party!". Ein toller Satz, der mir seinerzeit die Augen öffnete und mich den schönsten Lauf meines Lebens rennen ließ. Sollte es also irgendwann wieder hart werden und das wird es sicher *mimimiiii* bin ich gerüstet innerlich zurück nach New York zu reisen und mir Happiness-Bilder abzurufen. Ich weiß ja was ich kann und was ich vorbereitend getan habe. 
  7. Ja, trotz aller Sorge(n) kann ich es nicht abwarten in Berlin Party zu machen. Allein bei dem Gedanken, dass ich mich etwa eine Stunde vor dem Start mit ca. 35.000-40.000 anderen Bekloppten total verbunden und nahe fühle treten mir beim Schreiben schon das erste Tränchen in die Augen.
  8. Es hilft sich bei Widrigkeiten an tolle Erfolge zu erinnern, denn Hamburg hat mich gelehrt das Dinge nicht so laufen wie man es gern hätte. Du kannst heulen, schreien, wütend auf dich sein oder in dem was dir just in time geboten ist eine neue Chance sehen. Ich kann gut mit mir selbst sein, mit meinem Innersten reden, mich motivieren, durchbeißen und habe gelernt Schmerz auszuhalten. Natürlich wäre es mir anders lieber, ich bin gewappnet.
  9. Irgendwann dann, auf der Straße unter den Linden, ganz nahe des Krankenhauses in dem ich das Licht der Welt erblickte, werde ich realisieren, dass ich es geschafft habe. Dabei nicht wie Udo über das Brandenburger Tor sondern darunter durch 'schweben', die verf**te begehrteste BLING BLING Medaille meines Laufjahres 2015 schon um den Hals baumeln sehend, schnürt es mir spätestens dann die Kehle zu und ich habe Gänsehaut. Jetzt schon und dabei bin ich noch gar nicht 41,2 km gelaufen

Ach ja und nicht zu vergessen meene kleene Atze: Ich liebe ihn. Und ich mag es wenn sich mein Bruderherz zum hundert-zigsten Male darüber aufregt, dass wegen irgendeiner Veranstaltung in Berlin wieder mal alle Straßen dicht sind und er - der BVG Verweigerer - mit seinem Auto nirgends durchkommt. Das gibt mir ein erhabenes und beschwingtes Lauffeeling. Heute, Sonntag dann, ist schließlich nicht "irgendeine"... ich flitze hier schliesslich lang. Große Schwester grinst über kleinen Bruder. Vielleicht erbarmt er sich ja und reicht mir eine Coke bei km 38 ♡ bitte bitte Bruderherz. ♡

Ja, ich weiß warum ich DAS tue:
Es gibt den genauen stimmbaren Moment in der ich die Welt wunderbar finde:
Sonntag im Finish. 
In meinem BÄR-l i n.
Dann weiß ich das die Wahrheit in der Mitte liegt. 
Zwischen Himmelhochjauchzend in New York und zu Tode betrübt in Hamburg kann ich voller Stolz erzählen das ich mal wieder einen Marathon gelaufen bin.
Gern auch denen, denen meine Lauferei einfach "nur auf den Zeiger geht" *hihi* ; bitte doch, gern geschehen. 
Ja, ich find' mich geil. Marathoni zu sein ist eben geilomat und schliesslich sind aller guten Dinge Drei.
 „Die Läufer sind heute das herumlaufende schlechte Gewissen der Nichtläufer.“ 



Kommentare:

  1. Schön geschrieben, so dass man als Läufer gleich wieder dieses Kribbeln bekommt... ;-) Ich drück Dir fest die Daumen, dass alles klappt und Du diesen Lauf in vollen Zügen genießen kannst. (Y) Auch ich werde an diesem Tag laufen, allerdings "nur" den HM im Alstertal, aber auch der muss ganz gelaufen werden. ;-)
    Und auch für mich etwas Besonderes, denn in der Ecke Hamburgs bin ich aufgewachsen. Also, alles Gute für Deinen Lauf und das es DEIN Tag wird. Lieben Gruß.....run happy! ;-)

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    1. Hi Marco, Danke für Deine lieben Wünsche
      ach ja und Daumen drücken wäre toll.

      Solange es bei uns kribbelt wissen wir das wir genau DAS richtige tun, aus Leidenschaft und weil es uns happy macht.

      "Nur" einen Halbmarathon zu laufen ist eine völlig falsche (Be)Wertung, finde ich.
      Jeder der vom Sofa aufsteht und läuft ist ein Gewinner.

      Halbmarathons sind auch schon enorme Herausforderungen.
      Erst Recht wenn die Emotionen dabei unsere Herzen stolpern lassen.

      Have fun bei Deinem Heimatareal-Run und bleibe immer runhappy ;-)))

      Herzlichst Birki

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  2. So verdammt ähnlich ging es mir vor 2 Jahren! Berlin vor der Brust, Startplatz kurzfrisitg gewonnen und die Frau hochschwanger. Trotzdem hingefahren, einen der geilsten Marathons ever gehabt und mein Kleiner hat sich noch Zeit gelassen :)
    Berlin ist / wird der Hammer! Das Publikum wird dich ins Zeil tragen. Du kannst garnicht zu schlecht dafür sein :)

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    1. ooooh toll. Markus, GENAU so etwas wollte ich hören.
      Danke. DAS beflügelt mich und bestätigt die richtige Entscheidung trotz aller Widrigkeiten getroffen zu haben.
      Ick freu ma so uff die Berliner und deren große Klappe.

      Hach ja.... wenn ich es doch bloß endlich hinter mir hätte.

      PS Gibts bei Dir einen Blogpost über Deinen BÄRLINER Lauf?

      LG von Birki

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  3. Liebe Birki,

    von Insta gleich mal hier rüber geswitcht ! ;-)
    Ich freu mich richtig mit, dass es am Sonntag losgehen darf !
    Und ich bin ganz sicher, daß du fleißig genug in der Vorbereitung warst.
    Ich lauf am Samstag einen Halben und so langsam bekomme ich doch auch Riesenrespekt, nicht dass ich den nicht schon vorher hatte, vor der vollen Distanz ! ;-)
    Also Du rockst das und ich werde am Sonntag die Daumen fest drücken und bei Insta linsen.

    Viel Glück und Spaß,
    Claudia

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    1. Ist das dein erster Halber? Dann wünsch' ich dir besonders viel Lauffreude und einen guten Lauf.
      Mein erster warxsehrvschln und ich kann dir versichern das er erwas Besonderes sein wird, IMMER!
      LG und toi toi toi auch für Dich!

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    2. Ne liebe Birki. Ich bin doch die cla62runner Clsudia ! Mittlerweile der 7 HM. ;-)
      Toi toi toi kann ich trotzdem brauchen. Ich will PB versuchen ! ;-)

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    3. Das kann ich ja nicht wissen. ^^

      Unter Rennmaus kannte ich bisher niemanden (und den Namen haste bei Insta aber auch nicht).

      Na dann bist du ja ein alter Hase und kannst deine PB laufen.

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    4. Ja mit der Rennmaus bin ich bei Google abgespeichert. Manchmal bring ich da selber was durcheinander oder vergesse Passwörter. ;-) Das Alter ! ;-)

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  4. :-) Ich drücke Dir fest die Daumen, dass es ein großer Spaß für Dich wird und die Knochen und Muskeln und Nerven fröhlich mitmachen.
    Lass Dich in Deiner Heimatstadt anfeuern und feiern :-)
    Herzliche Grüße aus der Ferne :-)

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  5. Jawollska - das machste!
    ;)
    Ich steh' total auf deinen positven Spirit und deinen Grad der Verrücktheit. Du wird das schon rocken.

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    1. Sehr GEILOMAT das Du mich kompletto tutti verstehst.
      Danke

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