Montag, 20. April 2015

Bostonmarathon, Frauen und die 'bezaubernde" Zahl 261

Um 09:20h Bostoner Ortszeit (hier jetzt) startet das Elitefeld zum Marathon. 
Meine Gedanken sind bei allen Läufern, und bei Katrine Switzer.
Haargenau erinnere ich mich auch heute daran, wie erstarrt, fassungslos und schockiert ich 2013 live via Internet den Bombenanschlag mit bekam. Es war (und ist) eine Tragödie - ich lebte zu dieser Zeit schon für meinen New York Marathontraum und schrieb genau ein Jahr später hier dazu.

Seit diesem Attentat schaut die Sportwelt noch mehr nach Boston: 
Soeben also ist der Startschuss für den Lauf (dieser findet immer am Patriot's Day von Massachusetts, den dritten Montag im April statt) gefallen. Der Boston Marathon ist der traditionellste aller Maras, nach den olympischen Spielen.
Er hat auch für mich stark an Bedeutung gewonnen. 

1897 fand - im Rahmen des Patriot's Day - der erste Marathon statt, ein Jahr nach der Wiedereinführung bei den Olympischen Spielen in Athen. Es waren 15 
Männer am Start. 
Heute ist die TN Zahl für dieses Race begrenzt und "man" muss in einem maximal erst 18 Monate zurückliegenden Marathon eine bestimmte vorgegebene Zeit unterschreiten um dort mitlaufen zu können.

Immer waren diese 42,195 km ausschließlich Männern vorenthalten. Frauen durften nicht. Erst 1967 nahm -inoffiziell- Kathrine Switzer, die Roadrunnerin, als erste Frau der Welt teil. Sie rannte gegen Vorurteile über den Frauensport an, Vorurteile die in so manchen Köpfen herrschten (u.a. befürchtete man(n) das bei diesem langen Lauf über Stunden der Frau die Gebärmutter 'herausfallen' könnte). Natürlich gab es mit ihrer Teilnahme großen Ärger...


(c) by Kathrine Switzer
***
Ich hatte das große Glück, Kathrine in diesem Jahr auf Mallorca persönlich kennenzulernen. Als ich ihr das erste Mal begegnete war ich überrascht ob ihrer herzlichen, unheimlich berührenden, nahbaren und motivierenden Art. 
Sie nahm mich in ihre Arme, so als kannten wir uns schon ewig, gab mir ein Küsschen und plauderte mit mir (übers laufen). Ich war und bin eine Verbündete (eine selbstbewusste Frau, die mit Leidenschaft läuft und beiden Beinen im Leben steht). 
(hier das Blogpost dazu) 

Ja, und was hat das jetzt mit der Zahl 261 zu tun?

Diese 261 war in Boston Kathrines Startnummer. Da sie sich mit ihren Initialen K.V. Switzer registrieren ließ, wurde sie für einen Mann gehalten (fast hätte es die Meilenzahl eines Marathons -26.2 - werden können, also vielleicht kein Zufall, dass sie bei ihrem ersten Marathon, und den ersten "offiziellen -inoffiziellen einer Frau" diese Startnummer zugeteilt bekam). 
Wenn ihr wissen wollt wie die Story weiterging lest doch einfach ihr wunderbares Buch Marathon Woman (insbesondere Kapitel 7). Es vergingen noch leidige fünf Jahre, bis  Frauen in Boston offiziell teilnehmen durften. Alle acht dort gestarteten Teilnehmerinnen erreichten das Ziel. 

Ja, und hier schliesst sich der Kreis, mit Herzklopfen verfolge ich nun live diesen Marathon. 
Zum einen weil ich in fünf Tagen und 17 Stunden beim HASPA Hamburg Marathons gewillt bin zum zweiten Marathon meines Lebens aufzubrechen (Dank Kathrine ist mir das als Frau möglich).
Und: Zum anderen weil ich am Mittwoch mit dem Club 261 in Hamburgden ersten Frauen - Lauftreff des Clubs 261 hier in Hamburg aus der Taufe hebe.

Ja, ich darf zu Recht stolz darauf sein, mit diesem Club Kathrines Symbol für Furchtlosigkeit und Mut in Hamburg präsentieren zu dürfen/können und danke  Edith sehr für das Vertrauen und die Ermutigung dazu. 
Edith Zuschmann, besser bekannt als Running-Zuschi, hat den Club 261 im Jahr 2012 gegründet. Ihre Vision damals wie heute war und ist ein "weltumspannendes Frauenlaufnetzwerk aufzubauen". Sport verbindet nämlich. 

Und genau so haben Edith und ich uns auch im letzten Jahr gefunden, RunningBirki auf dem Weg zu ihrem ersten Marathon und Edith, die Erfahrene, die mir Fragen sehr gern und schnell beantwortet hat. Und so entstanden damals die ersten Netzwerkfäden von Hamburg nach Klagenfurt, ohne zu ahnen was daraus entstehen wird.

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PS: 
Zitat Katrine Switzer
"Deshalb beschloss ich, ein Wörtchen mit Gott zu reden.... 
fand es fair, ihn anzuflehen, mir den Mut zu geben, 
die richtige Entscheidung zu treffen, 
falls es zu hart werden sollte. 
Denn es würde hart werden. Ein Marathon ist immer hart."

Kathrine hat mich gelehrt "No Dream ist impossible." Deshalb wird dieses Zitat für diese wichtige Woche mein Mantra, mein Gebet zu meinem Laufgott. Ich danke Dir, Katrine, Danke dafür das Du mir/uns den Weg geebnet hast diesen harten Lauf auf uns zu nehmen. Weil wir es können.



Kommentare:

  1. Ich bin zwar nicht so scharf darauf, einen Marathon zu laufen, aber wer weiß, was noch kommt. Obwohl ich gerade nach meinem Sportverbot mit dem Laufen richtig zu kämpfen habe, möchte ich aber irgendwann noch mal einen HM machen.
    Ich wäre gerne am Wochenende nach Hamburg gekommen um dich anzufeuern, aber meine beste Freundin bringt mich um wenn ich nicht zur Konfirmation meines Patenkindes gehe (was ich mir ja sowieso nicht entgehen lassen würde). So drücke ich dir also aus der Ferne die Daumen.
    Liebe Grüße

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    1. Liebe Nina, Daumendrücker aus der Ferne helfen mir auch,
      Dankeschön.

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  2. Liebe Birki,

    da ich in den letzten Tagen nicht so oft im Netz unterwegs war, habe ich mich auch nicht so oft hier gemeldet.
    Für deinen Frauenlauftreff schon mal alles Gute und ich bin gespannt, was du berichtest.
    Ein paar deiner Videos vom letzten Blogpost habe ich mir schon angeschaut. Schließlich bleiben Blessuren leider nicht immer aus. Momentan habe ich aber nur kleinere Wehwehchen. (Plantarsehne). Wie steht's bei dir ? ( Ostheopath ging ja nicht. )
    Ich drück natürlich wie immer alle Daumen. ;-)

    Liebe Grüße
    Claudia

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  3. Tolle Idee diesen Laufclub zu gründen!
    Wobei ich eigentlich ja finde, dass Frauen in der Zwischenzeit so weit emanzipiert sein sollten, dass dies alles nicht mehr benötigt wird. Da es aber eben leider nicht so ist, ist der Club eine gute Sache!

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    1. http://runningbirki.blogspot.de/2017/03/warum-ich-mittwochs-ausschliesslich-mit.html

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  4. Ahoi aus der kleinen Nachbarstadt an der Förde ;-)
    Und vielen Dank nochmal für Deinen netten Kommentar!
    Ich lese ja gerade "Marathon Woman" und habe soeben das Kapitel über den ersten Lauf beendet.
    Kann kaum fassen was damals los war, wie selbstverständlich heute alle zusammen unterwegs sind und wie wenig man in der Allgemeinheit darüber weiss, *warum* das alles heute so scheinbar easy "läuft".
    Großartig, wie Du über Deine Heldin schreibst, sie ist auch meine, obwohl ich weit davon entfernt bin, jemals einen Marathon zu laufen.
    Und ganz viel Erfolg und tolle Läufe mit Deinem Club!
    Meike

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    1. Liebe Meike, danke für deine so lieben Wünsche für unseren Club.
      Solltest Du mal an einem Mittwoch in Hamburg sein, bist du herzlich eingeladen.
      LG von Birki

      PS Ja, Katrine ist durch und durch inspirierend und beeindruckend. Was für eine mutige Frau, damals.
      Heute ist alles so selbstverständlich....

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