Sonntag, 5. Oktober 2014

Über DIESE Brücke muss ich geh'n - KÖHLBRANDBRÜCKENLAUF 2014

Am Tag der Deutschen Einheit lief ich mit knapp 3.500 Gleichgesinnten hinauf auf unsere Köhlbrandbrücke (KBL). Mit ihrem besonderen Design und dem Standort im Hafen ist sie ein fester Bestandteil unserer fantastischen Hamburger WahrzeichenDie atemberaubende Aussicht auf Hamburgs Hafen-Skyline war nicht nur ein Ziel*Dieser Lauf ist in Hamburg etwas besonderes denn eigentlich kann und darf "Frau" die Schrägseilbrücke nur mit dem Auto erobern. 
Für Fußgänger, Fahrradfahrer und Mofas ist die Brücke gesperrt. 
* Als ich mich vor Monaten für diesen Lauf anmeldete, hatte ich den 2013er BrückenRun vor Augen, acht Grad, bisschen Nebelfeuchte und richtig viel Wind, sollten optimale Bedingungen für einen "Brückensteigungs-Testlauf" vor meinem New York Marathon sein (immerhin warten dort ja fünf Brücken auf mich). Zudem die einzige wirklich reale Möglichkeit für mich vor dem TCSNYMarathon mal auf einer insgesamt 3.618 Meter lange Hochstraße trainieren zu können.
'Leider' hat der - immer noch in Hamburg währende - Traumsommer mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und bereits um 11.00h ein Traumhimmel geboten bei Temperaturen um 18 Grad. Kein Wölkchen, kein spürbares laues Lüftchen wehte. OMG!  Mal wieder konnte ich meine "Herbstlaufklamotte" NICHT testen. Lediglich die Marathon-Running-XSocksdie immer noch mit in enger Wahl stehenden Laufschuhe Mizuno Inspire (es gibt nur noch zwei Paar die in Frage kommen, dieses hier ist eines davon) sowie eine wahrscheinlich in NY tragende 2XU Comprepssions-Short wurden testend für NY angezogen. 
Ehrlich? Ich war etwas "sauer" auf das 'angebotene' Wetter da ich ahnte, dass es ein Hitzeritt wird. Das (!) wollte ich nicht. Ich habe auch zunehmend Panik davor dem open Windows Effect zu begegnen, was nun, 28 Tage vor dem großen Ding einer Katastrophe gleich käme. Kurz überlegte ich nicht anzutreten (der Gatte hat Geburtstag), aber kneifen passt nicht zu meiner Attitude, wollte doch dringend Brücke(nfeeling) testen. Außerdem sind 12 km nun auch nicht wirklich eine Herausforderung für mich. Also fuhr ich rechtzeitig los um mich mit genügend Zeit durch die Irrungen und Wirrungen unseres Hafengebietes durchzuwuseln. 
Dabei hatte ich Glück einen seltenen Autokorso zu begegnen und mich kurz mit einem Oldie-Fahrer an der Ampel zu unterhalten (er kam aus Düsseldorf und wollte partout nicht mit mir tauschen)^^.






Einmal kurz doch verlaufen, dann aber fand ich den Start/Zielbereich doch früh genug um noch Zeit zu haben für ordentlich Flüssigkeit tanken, dem DIXI wie immer "Hallo" zu sagen und auf das Fischbrötchen vor dem Start doch lieber zu verzichten.




Ich reihte mich freiwillig fast ganz hinten ein, so wie ich es schon am Tegernsee tat: Um erstens nicht mitgerissen zu werden und zweitens den Ambitionierten nicht den Weg zu versperren. Meine Mission lautete: Langsamer als in sonstigen Wettkämpfen laufen immer schön auf's Ziel fokussiert um in den letzten 30 Tagen NICHTS zu riskieren.
Der Startschuss fiel und ich kam in dem großen Pulk erst einmal überhaupt nicht richtig vorwärts, was aber nicht schlimm war. So lief ich im gemäßigten 06:05er Pace den 1.km auf dem Veddeler Damm Richtung Brücke. Es herrschte richtig dichtes Gedränge, so dass ich wieder einmal ganz entspannt Zeit hatte um Läuferstile, Laufbekleidung und Schuhe sowie die Gesichter meiner Mitläufer zu studieren. Da kann man was sehen... ähm, jaaaaaa - Punkt. Anderes Thema.
Es kam die erste Steigung (Ellerholzbrücke) die ich jetzt aber nicht so schlimm empfand, freute ich mich doch sehr auf das eigentliche Highlight. Die KBL lockte (gleißend im Sonnenlicht) und zog mich an. Es war Magie: So ein imposanter Anblick wenn man dieses kolossale Steigung vor sich sieht. Es wirkt zu Fuß ganz anders als im Auto. Je näher ich ran kam desto mehr freute ich mich darauf sie zu Fuß zu erobern. Es war tatsächlich überwältigend für mich ihr immer näher zu kommen, und sie, nach 24 Jahren die ich hier wohne, gleich zu Fuss zu 'entern' . Ich genoss jegliche Aussicht und Ansicht auf sie und vergaß zwischendurch das ich mich auf einen Steigung von 4,5% befand. Uff! In der Hitze echt bisschen anstrengend für mich "Flachlandtirolerin", leider konnte ich solch' Steigung bisher nicht trainieren Aber: es war geilomat: Ich fokussierte mich mental auf die Verezano-Bridge und lief auf dieser, grinsend über das ganze Gesicht. Einige Mitläufer schauten mich gequält fragend an.
Der Vergleich mit der Verezano ist ganz gut, müssen wir "Marathonis" diese mit einer Länge von 3 km ja als Erstes erlaufen um von Staten Island in den Stadtteil Brooklyn zu kommen.

Hach! Seufz! Der Anblick wurde immer schöner und das helle Sonnenlicht verleitete mich dazu ein paar Fotos mit dem iPhone für Euch zu machen. Das stoppen war auch nicht schlimm, ich war ja nicht als Pacemaker unterwegs und will in NY ja auch mal knipsen.
 Da hinten links ! Da da daaaaaaa!!!!

 Mein (Heimat)Hafen, hach wie ich ihn liebe.
 Wir kommen um dich zu erklimmen...

 gleich ganz oben

Ganz oben und den Brückenpylon, 135 m hoch, bestaunen

Ich kam natürlich nicht umhin, am Scheitelpunkt kurz stehen zu bleiben und mich an meinem Hamburg und der Hafenskyline so doll zu erfreuen das ich fast 'Pippi in den Augen' bekam. Und natürlich musste Zeit für ein Runfie sein. 
Ich finde es sehr gelungen (hatte nur dieses eine gemacht). Es zeigt euch (und mir selbst) mit wieviel Freude ich laufe. Und wieviel Vorfreude auf New York in mir steckt. Ich kann es echt kaum noch erwarten. 
Um bald mal zum Schluss zu kommen *sorry das ich immer so ausschweifend werde*, das herunterlaufen war Erholung pur, mein HF beruhigte sich auf 75%, aber es war zugleich etwas frustrierend, da mir die Schnellsten schon auf ihrer Rücktour entgegengelaufen kamen. 
 Foto: Thomas Sobczak

Allerdings glaube ich nicht das sie einen Blick für das Schöne an der Strecke hatten, und auch nur einen Blick runter von der Brücke in den Hafen riskierten.
 "Goile Mucke ej" dachte ich beim vorbeilaufen
 Schlechter Laufstil aber trotzdem einer von den ganz Schnellen

Ich spürte die Sonne immer erbarmungsloser 'knallen'. So freute ich mich auf den Becher Wasser über den Kopf an der Kehrtwende beim Waltershofer Damm. Normalerweise brauch man bei km 6 noch kein Wasser, aber es war sehr gut für die, die das Laufen nicht ganz so passioniert wie ich betreiben.

Kaum war ich beim zweiten und schwierigerem Anlauf die KBL hochzulaufen , fühlte ich ein bisschen frischen Wind im Gesicht. Herrlich, kann ich Euch sagen. Ich erwischte mich dabei, doch mal meine Garmin umzuschalten um auf bisher gelaufene Zeit und zurückgelegte km zu schielen. Hätt' ich es mal besser gelassen, plötzlich dachte ich ich müsse schneller werden und flitzte den zweiten Anstieg nach oben (Pace 06:09min/h). Mein Puls stieg natürlich an und ich verfluchte (wirklich!) zu ersten Mal dieses wunderschöne Wetter welches wir haben. Ich hatte leider meine Kopfbedeckung im Kleiderbeutel vergessen und fühlte wie die Sonne erbarmungslos knallte. Zudem fing, zu allem Übel, auch wieder mein "altes" Kniebeschwerdeproblem an. Das böse Ding meldete sich und puckerte heftig. 
Na das sind ja tolle Aussichten jetzt! Ich verfluchte es und ignorierte soweit es ging den Schmerz was man bei 12 km noch gut kann. Aber was ist bei 42, 195 km? Scheint mit der Belastung bei Anstiegen zu tun zu haben, denke ich. Hmmm, was mache ich bloß?

Ich wollte jetzt wirklich nur noch nach Hause, raus aus der prallen Sonne, und war froh das es dann ab km 8 immer abwechselnd runter und hoch ging. KM 11 forderte mit seinem Anstieg auf die Ellerholzbrücke noch mal etwas und dann lief ich mich aus bis in Ziel und war wirklich froh - mit der neuen Medaille um den Hals - endlich ein alkoholfreies Weizen zischen zu können. Bekanntlich schmeckt dieses immer nach dem Lauf am aller allerbesten. 

Und heu, es war Zeit mit zwei 'alten Bekannten' noch Fotos zu machen:



Und dann hatte ich plötzlich einen Mordshunger und gönnte mir eine heiße Waffel. Hmmm yummi war die lecker.

Nun schnell nach Hause damit der liebe Gatte auch noch etwas von mir an seinem Burzeday hat. Es war schön den Fahrtwind im Haar zu spüren und die Gedanken an den New York Marathon in Ruhe sortieren zu können. Auf meiner  CD im Autoplayer sang Franky-Boy: New York, New York. Hach, Schnieeeeef.

 
Schaut in mein Gesicht (und an meine Hals)! 

Ach ja: Die begehrten Medaillientrophäen sehen toll aus: 
Foto (c) Thomas Sobczak

Das hier ist meine 

Ich grüße euch herzlichst und hoffe 
es war trotz der Länge des Berichtes spannend für Euch?
Winke Winke von Eurer Birki

Für Statistiker:
Das Runtastic-Streckenprofil mutet wie eine KrickelKrakelZeichnung an

Die Garmin gibt es besser wieder:


Google Map Streckenaufzeichnung:


Durchschnittliche HF 80% 
Gelaufene km laut Garmin: 12,2
Pace: 5:58 min/h
positiver Höhenunterschied 190 m

bei 21 Grad sonnig

* Das amtliche Wetter von 14:12 Uhr * 


PS die Köhlbrandbrücke erhielt gerade als Geschenk zu ihrem 40. Geburtstag, die Garantie vom Hamburger Senat, noch weitere 20 bis 30 Jahre die Elbe überspannen zu dürfen. We will see.

Kommentare:

  1. Hallo!
    Oh Mann, als ich oben das Foto in den Laufklamotten von dir sah, war ich mir sicher, dass ich dich in Hamburg gesehen habe :-)
    Jetzt bin ich durch deinen Kommentar bei mir hier gelandet und werde natürlich weiter verfolgen wie du "nach NY" läufst. Ich bringe erstmal den HM hinter mich und auch wenn ich momentan noch der Meinung bin "NIEMALS" einen Marathon zu laufen, wer weiß was danach kommt.
    Schöne Fotos übrigens. Ich wünschte, ich hätte mein Handy mit nach oben genommen...
    Liebe Grüße

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    1. Ich bin mir auch ziemlich sicher Dich gesehen zu haben. Kann ess ein das ich EUCH nicht beklatscht habe als ich auf der Rücktour war und Ihr ganz tapfer noch am runter laufen ward?

      Danke das Du mir bis NY folgen wirst und LG aus dem schönen Hamburg.
      PS Stimmt! Niemals sollte man nie sagen ;-)

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  2. Liebe Birki,

    Deine Laufberichte können mir gar nicht lang genug sein.
    Aber das weißt Du inzwischen sicher.
    Ich lese sie einfach zu gerne und finde Deine Arbeit damit, sollte auch durch einen anerkennenden Kommentar belohnt werden. :-)))
    Also Danke für den spannenden Bericht und die vielen schönen Bilder.
    Am besten gefällt mir Dein runfie.;-)
    BTW auf Instagramm schau ich auch regelmäßig.
    Aber am liebsten lese ich den Blog. Oder das.
    Wie geht's Deinen Knien ?

    LG
    Claudia aus F

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    1. Frag HEUTE besser nicht nach meinem Knie (sh. Instagram).
      Ansonsten danke ich Dir für Dein sehr nettes Kommentar.
      Mir fehlt hier etwas mehr Feedback,
      aber was willst machen?

      Schon schön so treue liebe Leserinnen wie Dich zu haben.

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  3. :-) Liebe Birke,
    Glückwunsch zu dem schönen und erfolgreichen Tag! Ich kenne die Köhlbrandbrücke nur im Auto, nie zu Fuß. Leider.
    Für NY drücke ich Dir die Daumen, bin auf Deine weiteren Berichte gespannt.
    Ganz liebe Grüße aus der Ferene :-)

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    1. Gedrückte Daumen kann ich nach dem heute erlebten Run wirklich gut gebrauchen. Danke Dir sehr.
      LG back

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  4. Liebe Birki,
    schöner Lauf, der würde mich auch mal reizen. Gerade solche Terrains, die man sonst eben nicht läuferisch nutzen kann/darf, finde ich immer besonders reizvoll. Und für NY war es sicher eine gute Vorbereitung, trotz des Wetters.
    Liebe Grüße
    Elke

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  5. Ach, letztes Jahr bin ich da auch mitgelaufen und fand es toll! Hat mich auch an New York erinnert. Wobei ja mein geplanter Marathon 2012 in New York leider wegen des Hurrikans abgesagt wurde :-( Aber Dir drücke ich die Daumen für New York! Wird schon alles!

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