Mittwoch, 27. August 2014

Mein erster langer Lauf (oder Long Jog) im Marathontraining

Meinen ersten Long Jog hatte ich Sonntag auf dem Plan. Tatsächlich war ich die Nacht vorher aufgeregt und konnte nicht gut schlafen. Mich beschäftigten die Gedanken um mein Knie und um meine allgemeine Fitness nach den Wochen Pause. 
Samstagabend bin ich mit meinem Mountainbike eine passable Strecke abgefahren und habe auch die Gelegenheit genutzt um eine kleine Flasche Wasser und ein Sportgel zu deponieren. 




(Meine Erfahrung zeigte mir erst kürzlich, das Laufen über 14 km Distanzen ohne zu trinken nicht sehr gut ist, deswegen kam ich auf die Idee des deponierens). Ich musste ein wenig schmunzeln als ich die Sachen "versteckte" und hoffte, dass sie am nächsten Tag noch dort sind. 
Man weiß ja nie wozu Wildschweine fähig sind.


Ich kann nicht sagen dass ich lange Läufe genieße, Du rennst stundenlang allein auf mehr oder weniger spannenden Wegen rum, während die anderen schön in Familie frühstücken oder anderen Nettigkeiten fröhnen. Wenn Du Pech hast regnet es und/oder es gäbe schönere Dinge für einen Sonntagvormittag. Nun, aber der Long Jpg *** ist unabdingbar, weil er für einen Marathoni in spe die effektivste Trainingsvariante ist um Muskelausdauer zu trainieren. Die Muskeln müssen ja auf so einen langen Lauf vorbereitet werden, diese sollen am Big Day maximal kontrahieren und nicht krampfen. Außerdem trainiert der lange Run die Glykogen- und Fettverbrennung. Jedoch das "schlimmste" ist, dass Du langsam laufen musst. Schön langsam zwischen 65-70 % Deiner Herzfrequenz.

Doch zurück zum Run: ich hatte laut Steffnys Trainigsplan 20 km vor mir, zog die kurzen Newlinesport Lieblings-Laufsachen an und stieg erstmals wieder in eine Test-Running-Wrightsocke. Ich versprach ja hier in diesem Post dem Hersteller der "Anti-Blasen-Socke" eine zweite Chance.
Wohl überlegt entschied ich mich für die "Marathonsocke" - vielleicht ein gutes Zeichen und neuer Glücksbringer? Wenn schon dann würd' ich ja gern mit DER laufen oder mit den Ringelsocken weil ich ein Mädchen bin.




Ich hatte vorm loslaufen das blöde Problem dass ich mir leider vor dem Lauf offensichtlich einen zu starken Kaffee genehmigte. Dieser - oder das Toastie mit Honig weiches ich erstmalig vor dem laufen aß - führte dazu das ich sehr plötzlich ein Magen-Darm "Problem" bekam und deswegen viel, wirklich viel zu viel Wasser verlor.  Ich war nun unsicher, ob ich überhaupt loslaufen sollte - und dann gleich so weit - . Aber dann entschied ich mich dafür da die langen Läufe einfach nicht gestrichen werden dürfen. Notfalls kann ich in den Busch und/oder umdrehen. 
Ich "schmiss" mir eine Perenterol Kapsel ein, denn ich hatte Angst vor unliebsamen "Ereignissen" unterwegs. Ob das gut war weiß ich nicht, es half aber. Ich nahm sicherheitshalber noch eine kleine Flasche 200ml Wasser (mit 'ner Prise Salz drin) mit in die Hand und lief los, auf der Strecke die ich den Abend zuvor mit meinem MTB gefahren bin: Das Wetter war herrlich, es war angenehm frisch bei 11 Grad und die Sonne schien. Wenn Du erstmal losgelaufen bist genießt Du.

Zuerst kam ich an einem See vorbei. Deren Morgenstille war wunderbar beruhigend und befreiend für mich. Weg waren die Magen und Darm Gedanken.


Man sieht mir förmlich an wie zufrieden ich bin wenn ich erst mal losgelaufen bin. Hier etwa bei km 8.

Weiter ging es dann auf Asphalt, einmal bisschen 'hoch' über die Autobahn, und dann immer längs am Deich und 'ne schöne steife Brise von vor'n (das ist's was ein Hamburger Mädchen kennt und liebt). 
Nachdem ich die ersten 200ml Wasser trank ging es mir auch wieder gut und ich lief gedankenversunken vor mich hin (zu schnell wie meine Garmin mir zeigte). Plötzlich taten sich Pflaumenbäume am Wegesrand auf, man ej, Mist, ich durfte nicht, denn ich hatte große Angst vor Montezumas Rache (wenn ihr versteht was ich meine). Aber anschauen und Appetit holen, das war erlaubt.














Die eine hier, dieser einen konnte ich dann doch nicht widerstehen, so ein Long Run macht hungrig. 









Nach etwa 10,5 km hatte ich mein Verpflegungdepot erreicht und grub nach meinem Wasser und meinem Sportgel. 
Alles war da, was für eine Freude.


Im Nachhinein - muss ich aber sagen - war's fürs Gel zu früh, fürs Wassertrinken gut. 

Das Sportnutrion Gel diente einem Test:
Ich stehe dem Zeugs eigentlich mental abgeneigt gegenüber, weiß aber, dass ich mich beim Marathonlauf mit so etwas in der Art versorgen muss um Krämpfe, Unterzuckerung und vorzeigte Entleerung des Glycosedepots zu verhindern. Also werde ich die nächsten Long Runs durchtesten und hoffe etwas brauchbares zu finden.



Es soll ohne Flüssigkeit einnehmbar sein und schnell Kohlenhydrate bereitstellen.  Hier die Nährwerttabelle
Ersteres kann ich NICHT bestätigen. 
Mir schnürte es fast die Kehle zu, ich schmeckte nur Süße und Säure und klebriges etwas (muss allerdings dazu anmerken das ich überhaupt kein industriezucker zu mir nehme. Das "Zeugs besteht fast zur Hälfte aus Zucker, bäääh. Test nicht bestanden!)Ich musste nachspülen um nicht zu... Zum Glück hatte ich Wasser da. 

Auch vom Handling her ist es total blöd. Schaut Euch mal die Packung an, wie soll man das unterbringen an der Frau während des Marathons. Und dann vielleicht noch 3-4 Stück? Der Packungsdesigner ist auf jeden Fall kein Sportler, soviel steht man fest.

Nach einer kleinen Minipause (um mich von dem Gelschock zu erholen) mit einem kurzen Blick bei den deutschen Kanumeisterschaften hier an der Elbe (letzter Tag, schwer was los hier bloß weg!) zog ich meine Runde weiter. Und ich nahm diese "bekloppte 500ml" Wasserflasche mit... Das sollte ich noch bereuen.





Weiter ging es wieder am Deich lang. Und der Wind pfiff mit ein Lied. Oder auch paar mehr. Ich lief immer ein bisschen  zu schnell weil mir etwas frisch war. Nicht gut. Das Gel, so glaube ich, wirkte dann etwa 5-6 km später, nach meinem subjektive Empfinden denn ich hatte Power. 
Ab etwa km 19 aber hatte ich das Gefühl mich haut jemand um, oder versucht es. Was war das? War das Gel daran schuld? (Ich glaube ja) Ich hätte gern hier an der Stelle den Run beendet. Tja, no pain no gain, zum Glück war ich gezwungen mich weiter zu quälen, mein Heim war noch weit weg. Musste halt ehe Gehpause her. Ist ja nicht verboten oder?
Wirkte vielleicht die Tablette? Ich habe jedenfalls die letzten Tropfen aus der Flasche rausgezogen und war froh sie endlich los zu werden. Die ganze Zeit rannte ich irgendwie verkrampft damit. Du kannst nicht gut technisch laufen wenn Du immer von einer Hand zur anderen eine Trinkflache hin und her wechselst. Außerdem wiegt die am Anfang ganz gut was. 
Leider kam ich mit meinem Trinkgurt auch nicht klar, so dass ich mich nicht mehr traue diesen zu einem Long Run mitzunehmen. Sobald Du aus einer Flasche was abgetrunken hast macht dich das Wasserklicker-geräusch bei jedem Schritt nur fertig und mich speziell nervte es.)

Hier noch einige Impressionen von unterwegs:


Hunger, ich habe Hunger, aber die hier zu essen wäre wohl auch nicht so das wahre...

Die darf ich auch nicht, wegen meinem Magen. Was für eine Quälerei heute. *Heul*

Die letzten Kilometer auf dem Weg  sah ich ständig auf meine Garmin in der Hoffnung die Meter würden schneller an mir vorbei fliegen. Meine Beine rannten immer schneller (=Fehler!). Ich fühlte mich fix und fertig. Erwischte mich bei dem Gedanken wie ich je nun noch einmal de gleiche bzw. doppelte Distanz schaffen sollte. Tja, das lass ich mal so stehen und übe mein Mantra. 
Ich begegnete zwei Reitern und wollte gern tauschen um den Rest des Weges auf dem Pferderücken zurücklegen zu könne, doch der junge Mann schmunzelte nur und meinte nur laufen sei nix für ihn. 

Ja, aber für mich vielleicht auch nicht? Hmmmm.

Irgendwann dann endlich war der Stallgeruch da und ich happy diesen Run irgendwie überlebt zu haben. Man oh Man, da folgen noch einige und ich frage mich heute, während ich das hier schreibe was ich bloß falsch gemacht haben könnte. Vielleicht aber liegst auch daran dass ich Fehler gemacht habe. Ich bin zu selten im Wohlfühltempo bzw. unter 70% meines HF gelaufen. Ich muss da nächsten Sonntag drauf achten es besser zu machen. Langsam laufen, gaaanz langsam wird dann das Mantra lauten.



Zum Schluss, noch vor dem Dehnprogramm, quälten mich Schmerzen in beiden Knien und im Rücken. Ob das an den Schuhen liegt? Ich sortiere diese hier jedenfalls erstmal aus in die zweite Reihe. Die Long Jogs dienen ja auch zum herausfiltern meiner Marathonschuhe. Diese hier also werden es wohl nicht, we will see.


*** Nachsatz:
Generell, so empfiehlt Herbert, sollte optimalerweise mehrfach vor dem Marathon ein Long Jog um die 30k gelaufen werden. Ein langer Run im Sinne der guten Vorbereitung dauert zwischen 2:30h und länger. Sie sind auch nützlich und wichtig für die mentale Verfassung. Ich bin mir sicher je länger ich laufe umso besser fühle ich mich gewappnet (sagt auch mein Lieblingsherbert) Mein Plan sieht etwa noch sechs lange Läufe vor. Zwei davon um die 30k. Für mein Ziel reicht das hoffentlich. Und ich hoffe sie besser als diesen hier hin zubekommen. Amen.




Nicht vergessen zu erwähnen möchte ich das ich diesen Lauf dem 67jährigen Mr. Alvaro widmete lies hier. 
Ich habe paar mal an ihn gedacht  und finde es unsagbar unfair
mitten im Trainingslauf von einem besoffenen Autofahrer aus dem Leben gerissen und getötet zu werden. Unfassbar so etwas, wo wir doch so lebensfroh und lebensbejahend sind.


Kommentare:

  1. Alles im grünen Bereich. Deshalb trainiert man ja. Um rauszubekommen, was und wann man etwas zu sich nimmt, wie man es transportiert, welche Schuhe/Socken, usw. Und ganz natürlich, um den Körper vorzubereiten. Denn wenn Du jetzt schon 42,195 km laufen könntest, bräuchtest Du ja nicht zu trainieren. Also ganz normal, dass Du das Gefühl hast, wie sollen denn nochmal 20 km gehen. :-)
    Trinkgurt ist auch immer so meine Nerverei. Wenn ich eine Flasche mitnehmen muss, gehts noch am besten mit einem, wo die Flasche schräg drin steckt. Und ansonsten vergeht mit ein paar km das nervige Gefühl, ich vergesse die Flasche einfach.
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Besten Dank, Liebe Elke das Du mich ein wenig "runter holst"
      ;-)
      Ich muss mal schauen ob ich noch irgendwo nen passablen Trinkgurt herbekomme. Hab nur kein Lust jedes Mal Moneten in den Sand zu setzen für Dinge die nicht funktionieren bei mir *Heul*
      LG, Birki

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  2. Hallo liebe Birki,

    Wie lange bist Du denn nun gelaufen ? Und wie kommt der Steffny zu Dir aufs Bild ? ;-)

    Ich war schon sehr gespannt auf Deinen Laufbericht.
    Schöne Bilder, schöne Laufstrecke........und es klingt doch alles ganz gut.
    Ich bin am Sonntag fast 20 km gelaufen und ich mag den long jog sehr. Mir fällt das langsam laufen aber auch nicht schwer, ich mag die Tempoläufe nicht.
    Im Wohlfühltempo laufe ich sehr entspannt.
    Die " unliebsamen Ereignisse " fürchte ich auch. ;-) Leider bleiben die nicht immer aus. Wenn kein Wald in der Nähe ist, habe ich da manchmal schon leichten Stress.
    Was Laufgürtel angeht, kann ich mich Elke anschließen. Erst nervt er und dann gewöhne ich mich dran und merke gar nichts mehr davon.
    Benutzt Du Läufertools während Deiner Läufe ?
    Ich kann gar nicht mehr ohne meine GPS Uhr. ;-) Und Musik höre ich auch immer. Seit kurzem habe ich die app: zombies run. Die nutze ich fürs Intervalltraining. Ich liebe das Zeug, mein Mann schüttelt da nur den Kopf.......aber wenn ich mit ihm laufe, dann sind die Ohren natürlich frei.

    Viele Grüße
    Claudia

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    1. Huhhu Claudia, weiß gar nicht ob das so relevant wie lange ich laufe da das ja alles Trainingszeiten sind.
      Ja, ich benutze runtastic und Nike+ ansonsten habe ich ja meine Garmin die so ziemlich alles aufzeichnet.
      Musik höre ich nie, u.a. auch weil ich jetzt nur noch Strasse laufe,

      Aber auch so lausche ich lieber bei meinen Läufen den Tönen der Natur (Vögel, rauschende Flüsse, das Wind sirren usw.).

      Die Zombie App ist glaube ich nichts für mich.

      Das mit dem Wohlfühltempo übe ich am Sonntag dann mal,

      Danke für Deine lieben Zeilen und LG von Birki.

      PS Kommst Du auch aus HH?

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    2. Hallo liebe Birki,

      die runtastic app hatte ich auch mal, habe sie aber wieder entfernt.
      Ich schiele schon immer auf meine gelaufenen Km und wenn da steht zB 9,77 Km, da laufe ich dann schon mal an der Haustür vorbei bis die "volle Zahl " kommt. Schon ein bißchen balla, ich weiß. ;-)

      Nein ich wohne nicht in HH oder Umgebung.
      Wir haben Freunde in Hamburg und es gefällt mir sehr gut bei" Euch" im Norden.

      Ich wohne in der Mitte Deutschlands, sehr ländlich, dörflich, in Mittelgebirgsnähe. Frankfurt ist die nächste Großstadt, wo ich vielleicht.......hoffentlich.......ich würde ja sooo gerne.....nächstes Jahr meinen ersten Marathon planen will.
      Bei mir fangen vor der Haustür sehr schöne abwechslungsreiche Laufstrecken an. Vorbei an alten Burgruinen, Schlössern ( na ja ein Schlösschen ), durch Wälder, und bergauf geht es manchmal auch ganz schön.
      Und es gibt müde Beine. ;-)


      Da ich noch keine Läufe über 25 Km gemacht habe, bin ich über Deine Erfahrungen sehr gespannt.

      Bist schon so ein bißchen Vorbild für mich. :-)

      LG
      Claudia

      Berichtest Du uns noch von dem" Steffny Date "?



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    3. Liebe Claudia das freut mich Vorbild zu sein,
      der zweite Long Jpg Bericht folgt in Kürze.

      Deine Laufstrecke klingt so toll das ich große Lust hätte dort auch mal zu laufen.

      BTW: Man braucht ja im Leben Herausforderungen, und Ziele, warum als FFM Marathon 2015 nur "vielleicht"???

      LG Birki

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  3. Oh, ich sehe ein Gel!! Hab letzte Woche mal Interesse halber eins probiert und ich hatte das Gefühl das ich über eine Stunde Sodbrennen hatte.
    Ansonsten danke noch mal fürs Socken Feedback, meine pinky Coolmesh Wrightsocks sind da und werden am Wochenende ausgiebig getestet. In diesem Sinne, hab noch ne schönes rest running week mit paar tollen Läufen bei schönen Sommer Wetter.

    Cathi

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