Samstag, 19. April 2014

Warum ist ein Marathon exakt 42,195 Kilometer lang?

Man könnte vermuten, dies sei die Distanz zwischen dem griechischen Städtchen Marathon, das dem Lauf seinen Namen gegeben hat, und der Hauptstadt Athen. 
Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Als man 1896 bei den ersten olympischen Spielen der Neuzeit erstmals einen Marathon veranstaltete, hatte dieser noch nicht den jetzt weltweit bekannten Namen. Man wollte schlicht und einfach an die Legende erinnern, nach der ein Bote 490 vor Christus vom Schlachtfeld bei Marathon nach Athen geeilt war, um den Sieg über die Perser zu verkünden. 
Der Bote erreichte sein Ziel, überbrachte die Nachricht und fiel tot um. 
Ob die Geschichte stimmt, ist im übrigen historisch nicht belegt.

Diese ersten olympischen Spiele der Neuzeit fanden in Athen statt. 
Am 10. April 1896 wurde genau dieser Lauf durchgeführt. Die Strecke betrug damals etwa 38 Kilometer. 
Im Jahre 1900, bei den Spielen in Paris, lief man dann exakt 40,2 Kilometer, die der Sieger in 2:59:45 Stunden zurücklegte.

Um genaue Streckenvermessung kümmerte man sich nicht, mal wurden 38,5 km und mal 41 km gelaufen, je nach den örtlichen Gegebenheiten. 
Das war auch im Jahre 1908 noch so, als eine englische Prinzessin bei der Olympiade in London den Wunsch äußerte, den Start des Marathonlaufes von ihrem Fenster im Palast von Windsor aus zu sehen. Man schneiderte den Kurs dann so passend, dass ihr dies möglich war. Durch diesen Wunsch also, betrug die Strecke genau 42,195 Kilometer. Diese genau gemessene Distanz wurde damals für zukünftige Spiele verbindlich festgelegt. 
Die sogenannte "klassische Distanz" hat also nicht die Legende von Marathon zum Ursprung, sondern auch das sportliche Interesse einer königlichen Hoheit, ohne das die Läufer heute vielleicht schon nach 40 Kilometern im Ziel wären.

Blöde faule englische Prinzessin!

Erst 1966 gelang es der ersten Frau, Roberta Gibb als Mann verkleidet, den Boston Marathon mitzulaufen, indem sie den Startschuss in einem Gebüsch abwartete und sich dann unter die Läufer schmuggelte. Ein Jahr später meldete sich Katherine Switzer ebenfalls in Boston als K.V. Switzer an und lief den Marathon zu Ende. Erst 1971 wurde als erste Veranstaltung dieser Art der New York Marathon für Frauen geöffnet, 1974 folgte der Berlin Marathon, den Jutta von Haase in 3:22:01 Stunden gewann.

Ein Zeitungsartikelzitat aus der "Welt":Wie nervöse Rennpferde trampeln die Läufer vor einem Marathon auf der Stelle, das Vorstart-Fieber, mit leicht erhöhtem Blutdruck und Herzschlag, hat sie fest im Griff, viele müssen kurz vor dem Startschuss noch mal auf die Toilette.
42 Kilometer liegen vor ihnen, 42 Kilometer zwischen Qual und Glückseligkeit.

Quelle Harald Wilbert 

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